Personalia
Ich hätte gern auf diese unerwartete Wendung verzichtet, die mein Leben mit dem 29.06.1999 nahm. An diesem Tag bin ich mit einem meiner Freunde nach Arbeitsschluß noch ins Elbsandsteingebirge gefahren.
Denn das Klettern war bis dahin nicht nur die wichtigste Freizeitbeschäftigung, sondern spielte überhaupt die zentrale Rolle in meinem Dasein. Ein Leben ohne Bergsteigen - unmöglich. Die Kreativität, die der Kletterer besonders im heimischen Elbsandstein braucht, um eine gewählte Route in Bewegungsmuster aufzulösen und zu durchsteigen. Hohe psychische Anforderungen für das Durchsteigen großzügig abgesicherter Kletterwege, welche schon die Altvorderen 100 Jahre zuvor begangen haben. Und dann das einmalige Naturerlebnis in der geliebten
Felsenheimat Elbsandsteingebirge.
Da war ich 31.
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort, aber eine falsche Entscheidung. Manchmal ist es sehr schwer zu erkennen, wann ein Rückzug besser als die Flucht nach vorn ist. Besonders dann, wenn man glaubt, mit Gefahren und Ängsten umgehen zu können. Dieser Tag war mein letzter Klettertag. Er endete für mich nach einem Sturz aus ca. 12-15 Metern Höhe auf der Erde. Der Adler war gelandet.
Noch bevor ich von den Rettungskräften ins Land der (Alp-)Träume befördert wurde, wußte ich aus meiner Praxis als Bergwachtmann der
Bergwacht Sachsen: Querschnittlähmung. Die spätere Untersuchung im Universitätsklinikum Dresden diagnostizierte eine komplette Läsion ab dem 5./6. Brustwirbel.
Die ersten Erinnerungen nach dem Unfall stammen aus der
Bavaria-Klinik in Kreischa, wo ich die nächsten Monate verbrachte. Ich lernte dort, mich in mein neues Leben als Rollstuhlfahrer einzurichten. Doch bereits da wurde mir klar, daß es noch eine ganze Menge neben meiner nun sprichwörtlichen "Leiden"-schaft Klettern gab. Ich wollte aktiv bleiben - sportlich, aber auch im Beruf.
Für letzteres standen die Chancen mit meinem Abschluß als Dipl.-Wirtsch.inf. gar nicht so schlecht. Heute arbeite ich wieder in Teilzeit im
Staatsbetrieb für Geobasisinformation und Vermessung Sachsen, einer nachgeordneten Behörde des
Sächsischen Staatsministeriums des Innern.
Während meiner Kreischaer Rehabilitationszeit sah ich zum ersten Mal ein Handbike. Es war ein Adaptivbike der Firma Praschberger. Ich durfte es ausprobieren und wußte sofort, daß sich hier ein weites Betätigungsfeld für meine sportlichen Ambitionen auftat. Auch wenn meine Spaziergänge mit dem Rolli immer länger wurden - solche Strecken, wie mit diesem Gefährt würden so niemals zu schaffen sein.
Bereits im Herbst 2000 kaufte ich mein erstes Handbike. Die "Sächsische Zeitung" sponserte mit der "Aktion Lichtblick" die Anschaffung des Sportgerätes mit einer beträchtlichen Summe. Sieben Jahre und über 28.000 km später war der "Freedom Ryder" so verschlissen, daß ich mich nach Ersatz umsehen mußte. Inzwischen bin ich stolzer Besitzer eines "Schmicking-S3". Obwohl mich diesmal leider kein Sponsor bei der Finanzierung unterstützte, wird sich das Gefährt in jedem Fall als lohnenswerte Investition erweisen.
Nach meinem Selbstverständnis bin ich kein Rennfahrer sondern eher der Radwanderer. Hohe Geschwindigkeiten spielen für mich nicht so eine große Rolle, und deshalb würde ich bei jedem EHC-Rennen wohl hoffnungslos hinterherradeln. Mich interessiert mehr der integrative Aspekt des Handbikens in der freien Natur, das gemeinsame Bewältigen von sportlichen Herausforderungen durch Menschen mit und ohne Handicap. Zudem ergeben sich gerade hier immer wieder Gelegenheiten, während der Fahrt mit nichtbehinderten Gleichgesinnten ganz unverkrampft ins Gespräch zu kommen. Inzwischen bin ich etliche tausend Kilometer kreuz und quer durch meine Heimat gefahren, doch auch in der benachbarten Tschechischen Republik und in der Schweiz habe ich manche Runde gedreht. Bisheriger Höhepunkt meiner Handbiker-Laufbahn war die Radfernfahrt von Dresden nach Sankt Petersburg im Mai 2003.
Im Jahr 2002 bat mich eine Bekannte, die mit der Erstellung eines Besucherinformationssystems für das
NationalparkZentrum im
Nationalpark "Sächsische Schweiz" betraut war, um Unterstützung. Ich sollte Vorschläge für Rollstuhlwanderungen und Handbiketouren für das Gebiet zusammenstellen. Auch wenn der größte Teil der Ergebnisse durch das Elbehochwasser im August 2002 vernichtet wurde, so war dies doch für mich Ansporn, das Vorhaben erneut anzugehen. Zunächst stellte ich diese Touren auf meiner ersten Homepage "Bike-o-Matic" zusammen. Im Jahr 2010 schließlich übertrug ich die Tourenvorschläge im Zuge einer Neugestaltung meines Internetauftritts auf diese Seite. Die Ergebnisse finden sich nun auf den Seiten
Wanderungen für Rollifahrer und
Touren für Handbiker.




